Das Areal Ubostraße: Seine Lage im Ort

Früher war der Begriff „Areal Ubostraße“ in Aubing nicht gebräuchlich. Erst seitdem die Untersuchungen zum städtebaulichen Potenzial des etwa 8 ha großen Gebiets westlich der Pfarrkirche St. Quirin begonnen haben, hat sich das „Areal Ubostraße“ auch begrifflich eingeprägt: Es ist das Gebiet westlich der Ubostraße, das einerseits vom Giglweg und von der Georg-Böhmer-Straße, und andererseits vom Germeringer Weg begrenzt wird.

Seine vielfältigen Funktionen

Das Areal Ubostraße wird geprägt einerseits vom langgestreckten, städtischen Gebäude Ubostraße 7-9 und dem rückwärts gelegenen Reitstall. Das Gebäude Ubostraße 7-9, in dem sich heute das THW befindet, war ehemals das verbindende Element zweier Bauten, die senkrecht zur Ubostraße standen und zusammen zu einem der großen Bauernhöfe Aubings gehörten. Beide stehen heute nicht mehr, das nördliche Gebäude mit der ehemaligen Bahnhofsrestauration Sedlmayer, wurde 1980 abgerissen.

Heute sind im nördlichen Teil der Ubostraße 7-9 das Stadtteilkulturzentrum UBO 9 und, darüber, die Jugendeinrichtung „Aubinger Tenne“ untergebracht. Westlich des Belandwiesenwegs finden seit 30 Jahren die großen Ortsfeste wie das Weinfest des Burschenvereins und das Aubinger Herbstfest statt.

Bezieht man das Pfarrzentrum St. Quirin, Ubostraße 5, und den S-Bahnhaltepunkt Aubing mit ein und berücksichtigt man die großen Grünflächen mit altem Baubestand, so erkennt man leicht, welche städtebauliche Bedeutung das Areal Ubostraße mit seiner Mischung aus sozialen und kulturellen Einrichtungen hat. 

Vielfach untersucht - großes Potential

Die ersten Untersuchungen zum Entwicklungspotential des Areals Ubostraße gehen bereits zurück auf das 2011. In den Jahren Jahren 2016 bis 2018 analysierte das Büro Schulz-Boedecker im Auftrag der Stadt die Wünsche der gegenwärtigen Nutzer und erstellte ein relativ detailliertes Gesamtkonzept, wie eine Neuordnung des Areals Ubostraße zur Stärkung seiner sozialen und kulturellen Funktionen aussehen könnte. Hier tauchten zum ersten Mal die Erweiterungswünsche des THW auf. die, grob geschätzt, auf einen mindestens dreifach so großen Flächenbedarf beruhen, und dies, obwohl der Öffentlichkeit gegenüber man seitens des THW fortwährend behauptete, nur die bereits vorhandenen Fahrzeuge in Garagen unterbringen zu wollen.

Nach der Schulz-Boedecker-Studie erhielt das Büro Franke-Roesler den städtischen Auftrag, für den Garagenbedarf des THW und seine zusätzlichen Umbauwünsche in der Ubostraße 7 zwei Varianten zu entwickeln und hierfür eine Bauvoranfrage bei der LBK einzureichen. Inzwischen liegt das Ergebnis der Bewertung vor: Die Variante mit einem 70 m langen Garagengebäude entlang der Georg-Böhmer-Straße (siehe die Simulation unten) erfüllt nach Auffassung der LBK die planungsrechtlichen Erfordernisse. Dem Vernehmen nach prüft die Stadtverwaltung zur Zeit die Möglichkeit, für das THW ein Erbbaurecht zu vergeben, um der Bundesbehörde Baurecht auf dem städtischen Grundstück einräumen zu können.

Seit Juli 2021 liegt bei der LBK auch eine Bauvoranfrage für einen Neubau des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Aubing. Nach der Vorstellung der Pläne in der Julisitzung des BA 22 soll (siehe die Simulation unten) an der Stelle der ehemaligen Bahnhofsrestauration Sedlmayer ein Neubau entstehen und das jetzige Gerätehaus abgerissen werden. Mit Baumaßnahmen sei jedoch nicht vor 2025 zu rechnen.

Und schließlich muss man in die Betrachtung des Potentials des Areals Ubostraße auch die nicht unerheblich, in Privatbesitz befindliche Fläche an nördlichen Rand in Betracht ziehen, auf dem ein 1200 qm großer Einkaufsmarkt mit Wohnungen geplant wird.

Alle bisher bekannten Neubaupläne werden das Areal Ubostraße, das im Prinzip mitten in einem Wohngebiet liegt, erheblich verändern – nach unserer Auffassung nicht hin zu mehr sozialem Leben und Kultur, sondern in Richtung einer Konzentrierung von technischen Einrichtungen.

Neuordnung des Areals Ubostraße

Die Neuordnung des Areals Ubostraße sieht zur Zeit (September 2021) mehrere Teilbereiche vor:

  • Neubau eines Garagentrakts für Fahrzeuge des THW (im Vordergrund)
  • Abriss und Teilneubau des südlichen Teils des städtischen Gebäudes Ubostraße 7-9
  • Neubau eines Gebäudes für die Freiwillige Feuerwehr Aubing (oben rechts)
  • Neubau eines Einkaufsmarkts im nördlichen Teil des Areals (oben links)
  • Errichtung eines Dorfplatzes südlich anschließend an das neue Feuerwehrgebäude (jetzt THW-Parkplatz)

Wie man sehr gut auf der Simulation oben erkennen kann, bedeutet insbesondere die erhebliche Erweiterung des bisherigen THW-Standorts zwangsläufig eine Vernichtung von Grünflächen und Baumbestand. Selbst wenn es architektonisch gelingen sollte, den 70 m langen Garagentrakt entlang der Georg-Böhmer-Straße unauffällig zu gestalten, bleibt die Tatsache, dass insgesamt auf einer für den Ort bedeutsamen Fläche die Neuordnung fast ausschließlich zugunsten einer Technisierung dieses Geländes erfolgen würde. Die Verwirklichung würde nach unserer Auffassung eindeutig im Widerspruch zum Stadtratsauftrag von 2014 stehen. 

Wo sollte es hingehen?

Der Förderverein hat sich, in jüngster Zeit zusammen mit der Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing, seit Jahren in vielen Gesprächen mit der Stadt dafür eingesetzt, im Rahmen der Städtebauförderung auf dem Areal Ubostraße eine zukunftsfähige und der zentralen Lage im Quartier gerechtwerdende Neuordnung zu erreichen.

Wir haben dazu einen eigenen Vorschlag erarbeitet, der noch stärker auf das Modell eines Quartiersplatzes abstellt.

Das sogenannte Areal Ubostraße, das im Rahmen der Städtebauförderung für das Sanierungsgebiet Neuaubing-Westkreuz-Altaubing neu geordnet werden soll, zeigt historisch gewachsene, typische Merkmale eines Quartiersplatzes: die über 500 Jahre alte Pfarrkirche St. Quirin, das zugehörige Pfarrzentrum mit Kindergarten, das Jugendzentrum Aubinger Tenne, das Stadtteilkulturzentrum UBO 9, einen Reitstall mit großer Freifläche, die als Festwiese dienende Belandwiese, den angrenzenden Standort der Freiwilligen Feuerwehr Aubing und den Standort der Bundesbehörde Technisches Hilfswerk. Es liegt also nahe, dieses Gebiet im Zuge der Neuordnung funktionell als Quartiersplatz zu begreifen und unter diesen Kriterien gedanklich weiter zu entwickeln. Daraus ergeben sich für diese Folgerungen:

  • Erweiterung des Sanierungsgebiets nördlich der S-Bahnstation Aubing
  • Wegebeziehungen als integrierenden Faktor stärken
  • Soziale und kulturelle Vielfalt fördern
  • Neu zu schaffende Flächen im Quartiersplatz „Dorfkern

Unser Fazit:

Wenn man das Areal Ubostraße und die angrenzenden Flächen und Funktionen als gewachsenen, aber neu zu ordnenden und zu ergänzenden Quartiersplatz begreift, ergibt sich aus dem dann zu erwartendem Zusammenspiel von bürgerschaftlichem Engagement, Vereinsleben, Kirche, Kindergarten, Ubo9, Tenne, Kinder-Reitstall und sozialen Einrichtungen ein generationenübergreifendes, sozial-integrierendes und zukunftsfähiges Konzept für den Quartiersplatz „Dorfkern“. Dieser Quartiersplatz „Dorfkern“ würde auch eine Vorabinvestition in die Integration der zukünftigen Wohnbebauung mit den bestehenden Quartieren darstellen.

Trotz des noch vorhandenen und geschützten Dorfcharakters von Aubing vollzieht sich derzeit ein soziologischer Wandel zu einer vorstädtischen Bevölkerungsstruktur. Auf diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll und notwendig, das Denkmodell der Quartiersplätze, das man eher als Merkmal typischer Neubaugebiete kennt, auch auf die sich ändernde Struktur heute noch eher dörflicher Räume anzuwenden.

Und der S-Bahn-Haltepunkt Aubing?

Die Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing, mit der wir hinsichtlich der Neuordnung des Areals Ubostraße kooperieren, setzt sich vielen Jahren für einen, für alle nutzbaren Zugang zum S-Bahn-Haltepunkt Aubing von der Nordseite her ein. Da mit dem städtebaulichen Wettbewerb zur Neuordnung des Areals Ubostraße auch ein Wettbewerb zur Gestaltung des gesamten Bahnhofsbereichs geplant ist, hat die Bürgervereinigung einen Architekten beauftragt, sich dahingehend Gedanken zu machen. Als Anstoß zum Weiterdenken wurde bei der Jahresversammlung 2021 der Bürgervereinigung der rechtsstehende Vorschlag gezeigt.

Das langgestreckte Gebäude (E+4, Länge ca. 100m) mit dem hellblauen Dach soll zum Pfarrzentrum St. Quirin hin einerseits die Schallemission der Bahnstrecke mindern, andererseits nach Süden hin über eine Solarzellen bestückte Überdachung des Bahnhofsbereichs Energie erzeigen. Rechts davon die seit langem vorgeschlagene Rotunde als neuer und behindertengerechter Zugang zu den Gleisen von Norden her.

Bürgerversammlung: Bebauungsplan im Juni 2021 befürwortet

Bei der Bürgerversammlung des 22. Stadtbezirks im Juni 2021 wurde ein Antrag des Fördervereins und der Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing, für das Areal Ubostraße einen Bebauungsplan aufzustellen, mit Mehrheit befürwortet. Trotz mehrmaliger Anfragen und einiger direkter Gespräche mit den Verantwortlichen der Hauptabteilung des Referats für Stadtplanung und Bauordnung wird die Bearbeitung weiterhin verzögert, und zwar entgegen der Vorschriften der Gemeindeordnung. Von dritter Seite wurde deshalb jetzt eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Leitung der Hauptabteilung III eingereicht. Die Antragsteller legen großen Wert auf die Behandlung des Antrags durch den Planungsausschuss oder den Stadtrat, weil nur damit sichergestellt werden könnte, dass die Bevölkerung ausreichend und juristisch abgesichert an der Gestaltung des für Aubing bedeutsamen Areals beteiligt wird. Im Mai 2022 wurde dieser Antrag bei der Bürgerversammlung erneut gestellt und wiederum mit großer Mehrheit angenommen.

Bürgerbeteiligung Dorfplatzgestaltung

Anfang März 2022 hat die MGS im Auftrag der Hauptabteilung III des Referats für Stadtplanung und Bauordnung eine Art Bürgerbeteiligung zur Gestaltung des späteren Dorfplatzes vor dem THW-Gebäude (heute hauptsächlich als Parkplatz genutzt) eingeleitet. Vorgesehen sind:

  • SenioreInnenbeteiligung (Seniorenbeirat und ASZ) im März
  • Kinderbeteiligung (in Kooperation mit Spiellandschaft Stadt und Spielhaus am Westkreuz): Kinder erforschen, was ihnen im Stadtteil fehlt. Anschließend werden kleine Modelle eines neuen Dorfplatzes gebaut. (im März)
  • Jugendbeteiligung (in Kooperation mit dem Jugendtreff Aubinger Tenne, dem Kreisjugendring und dem medienzentrum München). Nach einer Begehung können die Jugendlichen den Platz mit dem Computerspiel Minecraft gestalten. (im April)
  • Platzfest (in Kooperation mit UBO 9 und Freiwilliger Feuerwehr): Vorstellung der bisherigen Ergebnisse, Kulturprogramm, Diskussionsmöglichkeiten mit StadträtInnen und Verwaltung (im Juni)
  • BürgerInnendialog mit nochmaliger Vorstellung aller bisherigen Beteiligungsergebnisse, Podiumsdiskussion mit Politik und Verwaltung (im Juli)

Die Beteiligung wird durch eine Dokumentation abgeschlossen, die dem Bezirksausschuss und dem Stadtrat vorgelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. (Diese Information stammen aus der letzten Projektgruppe der MGS). Der Förderverein bringt sich zusammen mit der Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing mit eigenen Ideen in diese Beteiligung ein und versucht, eine breite Bürgerbeteiligung anzustoßen. Denn die Aubinger Bevölkerung als solche kommt in diesem Beteiligungsmodell (noch) nicht vor.

Die Bürgerbeteiligung startet

Die MGS hat vor kurzem die Bürgerbeteiligung zum Dorfplatz und zum Bahnhofsvorbereich gestartet. Sie gliedert sich in folgende Bereiche (Quelle: Newsletter der MGS März 2022):

  • Schriftliche Befragung als Postwurfsendung an alle Haushalte im Ortskern Aubing und digital ab Ende März bis Ende April 2022 (siehe Button unten)
  • Senior*innenbeteiligung am 17. März 2022 
  • Kinderbeteiligung am 23., 30. und 31. März 2022 zwischen 14 und 18 Uhr auf dem Vorplatz der Ubostr. 9
  • Jugendbeteiligung im Mai 2022 (die genauen Termine folgen)  
  • Abschlussphase mit Platzfest am 1. Juli und Bürger*innendialog am 8. Juli

Der Förderverein wird sich mit einem eigenen Stand an der Veranstaltung am 1. Juli 2022 beteiligen und seine Vorstellungen zum Areal Ubostraße erläutern.

Zur Orientierung haben der Förderverein und die Bürgervereinigung Empfehlungen erarbeitet, die Sie bei der Online-Beteiligung gerne verwenden dürfen.

Quartierszentrum Dorfkern

Nach Wikipedia wird als Quartiersplatz oder Quartierszentrum der Platz eines Stadtviertels („Quartiers“) bezeichnet, der als soziales Zentrum für die Bewohner sowie als Identifikationsmerkmal des jeweiligen Viertels dienen soll. In Freiham am westlichen Stadtrand Münchens, dem zurzeit größten Neubaugebiet Europas, sind in den verschiedenen Bauabschnitten aktuell mindestens vier solcher Quartierplätze geplant, die je nach Lage und Funktion leicht abgewandelt auch als Quartiersgarten oder Quartierspark bezeichnet werden. Sie stellen künftig für die Bevölkerung wichtige Integrationszonen dar, um die sich soziale und kulturelle Einrichtungen gruppieren werden. Nach unserer Auffassung bilden in Aubing das Areal Ubostraße, der Bahnhofsbereich und die westlich gelegene, noch unbebaute Potenzialfläche ein solches Quartier, das ein städtebauliches Quartierszentrum braucht. Anders als beispielsweise in Freiham, existieren in Aubing aber bereits wichtige Bausteine dazu… (aus einem Vortrag von Klaus Bichlmayer im Rahmen des STEP2040 im Planungsreferat zum Thema Quartiersplatz Dorfkern).

Über uns

Der Förderverein 1000 Jahre Urkunde Aubing e.V. steht für die Förderung der Kultur und der Heimatpflege im 22. Stadtbezirk der Landeshauptstadt München.

Wir sind Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Aubing-Neuaubinger Vereine und Kooperationspartner des Stadtteilkulturzentrums UBO 9.

Kontakt

Förderverein 1000 Jahre Urkunde Aubing e.V., Walter-Schnackenberg-Weg 11, 81245 München

E-Mail: aubing1000@web.de